Kurzbeschreibung

Der Kanu-Sport-Club e.V. hat im wesentlichen 1997 das ökologische Wasserkonzept auf seinem Gelände verwirklichen können:

  • jetzt müssen wir für unsere Toilette kein Wasser mehr verschmutzen
  • das Duschwasser wird durch die Sonne erwärmt und
  • vor Ort gereinigt führen wir wieder in das Grundwasser zurück

Dafür wurde der KSC 1997 mit dem 1.Preis des Umweltwettbewerbes des Landessportbundes Niedersachsen e.V. ausgezeichnet!

Unterstützt wurde dieses Projekt von verschiedenen Institutionen / Firmen nicht nur durch geldwerte Zuschüsse, sondern auch in Form von Sachspenden und know-how.

Geplant und betreut wurde das Projekt von Dipl.Ing. Thomas Hesse, der selber auch Mitglied im KSC ist und auf längere Erfahrung mit der Durchführung solcher Projekte zurückblicken kann.

Das ökologische Wasserkonzept beinhaltet im Wesentlichen:

  • eine zweigeteilte Kompost-Toilette
  • eine Schilfbeet-Kläranlage mit anschließender Versickerung
  • eine Warmwasserbereitung durch eine Solaranlage

Das Wasserkonzept bezeichnen wir als ökologisch, weil:

  • die Kompost-Toilette kein Wasser benötigt und die Nährstoffe erhalten bleiben
  • das Dusch- / Abwaschwasser vor Ort naturnah gereinigt wird und versickern kann
  • das Duschwasser von der Sonne erwärmt wird

Wir halten das Wasserkonzept für gut und wichtig, weil:

  • es dem irdischen Überlebensprinzip nahe kommt: ´Wasser und Nährstoffe dem Kreislauf zurückführen und die Sonne als Energiequelle zu nutzen
  • es sehr niedrige Betriebskosten aufweist
  • es übertragbar ist auf andere Vereinsheime / Freizeitstätten
  • es besonders unseren jugendlichen Mitglieder am aktiven Umweltschutz beteiligt

Wir wollten nicht nur Gutes tun, sondern auch Gutes zeigen:
Deshalb sind alle Anlagenteile vom neuen Leine-Deichweg aus gut sichtbar angeordnet. Der neue Deichweg ist Teil des EXPO-Projektes ´Stadt als Garten´.

Motivation / Ausgangslage

Unser Vereinsgelände in den Herrenhäuser Leine-Auen befindet zwar abseits von Lärm und Trubel einer Landeshauptstadt, aber damit auch abseits genug für einen Abwasseranschluß. Die Abfuhr mittels eines Saugwagens verursachte jedes Jahr hohe Kosten. Die Duschen waren kalt und sanierungsbedürftig. Die Toilette befand sich im benachbarten Vereinsheim.
Mit diesem Nachbarverein bestand ein gemeinsamer Nutzungsvertrag für die beiden Grundstücke, aus dem wir uns eh durch einen separaten Vertrag herauslösen wollten, um uns vor finanziellen Risiken zu schützen und mehr Planungssicherheit zu bekommen. Dafür mußten wir die Toilette aufgeben und uns eine Eigene zulegen, die sowohl möglichst geringe laufende Kosten aufweisen als auch möglichst umweltverträglich sein sollte. In Frage kam dafür nur eine Kompost-Toilette.

Für das Grauwasser aus der Küche und den Duschen war die Abfuhr ebenfalls zu teuer, zumal es klar war, daß bei warmen Duschen die Wassermenge deutlich ansteigen würde. Als einzige Lösung blieb nur die Aufbereitung vor Ort: die Vorreinigung in einer Dreikammergrube und die Endreinigung inklusive Versickerung in einem Schilfklärbeet.

Für die Erwärmung des Duschwasser kam als wirklich umweltgerechte Lösung nur die Nutzung der Sonne in Frage in Form eines Solarkollektors.

Komposttoiletten

Die Komposttoilettenanlage besteht aus zwei Teilen:

  • einer Toilette mit normalen Toilettensitz für das ´große Geschäft´
  • einem Urinal für die Männer

Beide Teile sind getrennt in einem extra Häuschen (Bild) , daß sich auf der linken Seite des Schuppens befindet, untergebracht. Sie haben auch eine getrennte Entlüftung, damit sowohl das Urin aus dem Auffangbehälter als auch die die Feuchtigkeit der Fäkalien verdunsten kann. Das ist eigentlich schon

das ganze Geheimnis:

Das Urin löst sich praktisch in Luft aus, und die Fäkalien werden dadurch nicht zu Jauche, sondern zu Kompost! So wie es die Natur eigentlich vorgegeben hat:

Sch... zu Erde!

In den Toiletten sorgt der Kamineffekt in den ´Schornsteinen´ , unterstützt durch ein kleines Windrad am oberen Ende, für einen
Unterdruck in den jeweiligen Auffangbehältern, so daß keinerlei Geruchsbelästigung entstehen kann!
Das Urinal (auf der linken Seite) befindet sich praktisch im wartungsfreien Dauerbetrieb, denn die Anlage schafft es auch spielend, das Wasser, was zur Reinigung des Urinals verwendet wird, zu verdunsten.

Die zwei Behälter der Feststoff-Toilette (auf der rechten Seite), die sich in einem Schacht unterhalb der Toilette befinden, müssen etwa jedes halbe Jahr gegeneinander ausgetauscht werden. Während der neue Behälter im Einsatz ist, kann der Alte (steht daneben, wird also noch weiter durch die darüberstreifende Luft getrocknet) noch nachkompostieren. Beim erneuten Wechsel (folglich jetzt nach einem Jahr) handelt es sich bei dem Inhalt um schon fast fertigen Kompost. Er wird bis zur endgültigen Verwendung auf einem normalen Komposthaufen noch sicherheitshalber für ein weiteres Jahr nachkompostiert und kehrt dann zurück in den natürlichen

Kreislauf der Natur!

 

Schilfklärbeet

Das anfallende Abwasser aus den 2 Duschen und der Küche wird in einer 3-Kammer Klärgrube gesammelt. In täglichen Intervallen wird das vorgereinigte Wasser mit einer Pumpe dem Schilfbeet zugeführt.

Das Schilfbeet befindet sich direkt am Deichzaun, damit es am meisten Sonne abbekommt. Es hat eine Oberfläche von 4 qm und ist 1 m tief.
Es besteht aus 3 Sand-, Kiesschichten mit unterschiedlicher Körnung und ist mit einer bestimmten Schilfart bepflanzt. Das Schilf sorgt, neben einer gewissen Verdunstung, für eine ausreichende Sauerstoffzufuhr, damit die Mikroorganismen die Schadstoffe möglichst effektiv zersetzen können.

Das Wasser versickert nach Durchlaufen der verschiedenen Schichten in

´Badewasserqualität nach EG-Richtlinie´

 

Solaranlage

Bei dieser Solaranlage wird kein Strom erzeugt, es handelt sich um eine reine Warmwasserbereitung.
Vom Prinzip funktioniert es ähnlich wie ein langer schwarzer Schlauch, den man im Sommer tagsüber in den sonnigen Garten legt und abends dann zum warmen Duschen benutzt.
Der Kollektor arbeitet nach demselben Prinzip, nur viel effektiver:

  • die Oberfläche ist wie bei einem Heizkörper deutlich größer als die eigentlichen Abmessungen
  • die Glasscheiben fangen durch ihre Struktur auch schräg einfallende Sonnenstrahlen ein
  • die Glasscheiben lassen zwar Licht hinein, aber kaum das reflektierte Licht wieder aus dem Kollektor hinaus
  • er verfügt über eine sehr gute Isolierung

Dadurch ist selbst bei bedeckten Himmel der Kollektor schon in der Lage wirkungsvoll zu arbeiten.

Die Anlage besteht aus drei Teilen:

  • der Kollektorkreislauf
  • der Tank als Energiespeicher
  • der Frischwassererwärmung

Alle Bereiche arbeiten getrennt voneinander und sind durch moderne (Wirkungsgrad 95%) Wärmetauscher miteinander verbunden.

Im 500 Liter Speichertank und im Kollektor (Solvis F75, 7,5 qm) befindet sich ein Solar-Frostschutzmittel, damit bei extremen Bedingungen die Anlage im Winter nicht einfriert. Beide verfügen über ein Ausdehnungsgefäß für sehr intensive Sonnentage.

Gesteuert wird die Anlage durch einen PID-Regler. Er kennt die Temperatur im Kollektor und im Speichertank. Wenn bei Sonneneinstrahlung die Temperatur im Kollektor die Temperatur im Speichertank deutlich übersteigt, aktiviert der Regler die Pumpe, die die Kollektorflüssigkeit im Kreis durch den Wärmetauscher (zwischen Kollektor und Speichertank) und Kollektor pumpt. Im Wärmetauscher gibt die Flüssigkeit dabei ihre Wärme an die kältere Flüssigkeit im Speichertank ab, und wird dann im Kollektor wieder erwärmt.
Wenn die Temperatur im Tank die Temperatur im Kollektor erreicht, schaltet der Regler die Pumpe ab und unterbricht somit den Kreislauf.

Beim Duschen fließt das Frischwasser durch einen zweiten Wärmetauscher am Tank. Die Wärme aus dem Tank wird an das Duschwasser abgegeben und schon wird es schön warm unter der Dusche...

Beide Funktionen (Speichertank aufheizen und Duschen) können parallel ablaufen.

 

Unsere Sponsoren

Institutionelle Förderung

Wir danken folgenden Institutionen für ihre Koorperation:

Wir danken:für:
Bezirksregierung HannoverZuwendung zur Förderung wasserwirtschaftlicher Maßnahmen
Stadtbezirksrat NordZuwendung aus Bezirksmitteln
Sport und BäderamtZuwendung zur Förderung des Vereinsportstättenbaus
Stadtsportbund e.V.Zuwendung zur Förderung des Vereinsportstättenbaus

Privatwirtschaftliche Förderung

Wir danken folgenden Firmen für ihre gute Beratung und großzügige Preisgestaltung:

Wir danken:Branche / Kommentar:
Stadtwerke Hannover AGalle Ingenieurleistungen (Planung / Genehmigungsverfahren / Durchführung)
Solvis EnergiesystemeDer größte Solaranlagenhersteller hatte auch für unseren Sonderfall die passende Lösung
Corona SolarDer ökologisch ausgerichteter Handwerksbetrieb war uns ein guter und wichtiger Partner zur Verwirklichung unserer Ideen
VERA Deutschland GmbHDiese Firma vertreibt biologische Toilettensysteme verschiedenster Ausführung
Th. Zink, Beton und KunststoffteileDiese Firma lieferte die Dreikammergrube
Landschaftsbau DietrichDiese Firma baut und liefert Pflanzenkläranlagen in Norddeutschland
Tiefbauunternehmen NeumannDiese Firme führte die größeren Erdarbeiten durch

 

Die Adressen der oben genannten Institutionen / Firmen erhalten Sie über unseren Ingenieur Herrn Hesse

 

Umweltpreis

Wir konnten durch unsere Ideen und Engagement im Bereich der Umwelt überzeugen und wurden deshalb mit dem

Umweltpreis 1997

des

Landessportbund Niedersachsen e.V.

ausgezeichnet!

 

Wirtschaftlichkeitsbetrachtung

Wirtschaftlichkeitsbetrachtung der Komposttoilettenanlage

Kosten der Komposttoilettenanlage (ohne Haus)3.500,00 DM
Betriebskostenkeine
alternativ:
Kosten für 3-Kammer-Kläranlage3.700,00 DM
Abfahrgebühr und Wasserkosten / Jahr250,00 DM

 

Wirtschaftlichkeitsbetrachtung der Schilfbeetkläranlage

Kosten des Schilfbeetes mit 3-Kammer-Kläranlage5.100 DM
Betriebskosten10,00 DM
alternativ:
Kostenanteil für 3-Kammer-Kläranlage3.700,00 DM
Abfahrgebühr / Jahr500,00 DM

 

Wirtschaftlichkeitsbetrachtung der Solaranlage

Kosten der Solaranlage8.500,00 DM
Betriebsstromkosten für 100 kWh / Jahr30,00 DM
alternativ:
elektrische Warmwasserbereitung2.000,00 DM
Betriebskosten für Strom 3.000 kWh / Jahr900,00 DM