Eigentlich war die Tour als Zweitagestour am Karfreitag und Ostersamstag geplant, doch das Wetter machte uns einen Strich durch die Rechnung – der Freitag fiel ins Wasser. Also wurde kurzerhand umdisponiert: Wir paddelten am Ostersamstag die gesamte Umrundung von Baltrum an einem Tag, gegen den Uhrzeigersinn. Mit dabei waren Finn, Jan, Christoph, Mark und Björn.
Vom Hafen von Neßmeersiel ging es los. Die Kajaks lagen aufgereiht am Steg bereit, die Ausrüstung war überprüft und die Stimmung gut. Nach der Abfahrtsbesprechung setzten wir ein und paddelten zunächst durch das Watt zum Ostende von Baltrum. Unterwegs kamen wir an der Baustelle von Tennet vorbei – ein ziemlicher Kontrast zwischen der idyllischen Wattenmeerlandschaft und der Großbaustelle auf dem Wasser.
Am Ostende von Baltrum legten wir eine wohlverdiente Pause ein. Dann wurde es spannend: Im Gatt zwischen den Inseln erwarteten uns ordentliche Wellen. Hier war Konzentration gefragt, und die Boote wurden kräftig durchgeschaukelt. Doch kaum hatten wir die Passage hinter uns, änderte sich das Bild komplett – hinter den Sandbänken lag die See gänzlich still. Ein fast unwirklicher Gegensatz.
An Land nutzten wir die Gelegenheit für einen Spaziergang durch den Inselort. Typische Inselidylle, Ruhe und frische Seeluft. Ein besonderer Höhepunkt war anschließend die Besichtigung des Wracks am Ostende von Norderney. Dabei handelt es sich um die Überreste des Schillsaugers „Pionier“, der im Dezember 1967 bei einer Rettungsaktion strandete. Damals war der Emder Heringslogger „Ministerialrat Streil“ auf der Othelloplate aufgelaufen, und die „Pionier“ versuchte, eine Rinne zum Havaristen zu baggern – dabei setzte sie sich selbst fest. Ein nachfolgender Sturm trieb das Schiff noch höher auf den Strand, und es musste aufgegeben werden. Seitdem liegt das Wrack dort, von Gezeiten und Stürmen immer weiter abgetragen, bis nur noch die stark angegriffene Schiffshülle übrig blieb. Heute ist sie mit buntem Graffiti verziert – Oktopus-Tentakel und Meereswesen ranken sich über den rostigen Stahl. Wir kletterten herum und genossen den Blick über die weite, menschenleere Sandlandschaft hinüber nach Baltrum.
Die Rückfahrt traten wir bei Niedrigwasser an. Auf dem letzten Kilometer wartete dann noch eine letzte Herausforderung: der Sielstrom vor Neßmeersiel. Gegen die Strömung mussten wir abermals kräftig zupacken, bevor wir erschöpft, aber glücklich im Hafen anlandeten.
Eine rundherum gelungene Tour – mit allem, was das Seekajak-Herz begehrt: Watt, Welle, Windstille und ein rostiges Wrack obendrauf.