Klettertour auf der Meiße

Zeitraum: 14.03.2020 / Text: Otto V. / Fotos: Falk R., Otto V.

Die Meiße ist ein Kleinfluss. Sie „fließt durch die Orte BleckmarHasselhorst (Gemeindefreies Gebiet Lohheide), Belsen, HörstenGudehausen und Hartmannshausen…sowie durch Meißendorf und mündet nach rund 42 Kilometern Lauf südlich von Hodenhagen in die Aller.  (https://de.wikipedia.org/wiki/Meiße) 

Im Flussführer des DKV ist folgendes vermerkt: „r Nebenfluß der Aller. Der Oberlauf der Meiße führt durch das Gelände eines Truppenübungsplatzes. Aus diesem Grund und wegen vieler Stacheldrahthindernisse sowie niedrigen Wasserstandes wird eine Befahrung erst ab km 20,0 empfohlen.“  (Flussführer Nordwest, S. 308) 

Die Meiße war mir bis zu meinem Eintritt in den KSC vor 10 Jahren gänzlich unbekannt. Nach Erzählungen von Heiko Djuren, unserem Vereinsmitglied bis zu seinem Tod im Januar 2018, wurde ich neugierig und organisierte mit ihm, unterstützt durch seinen Freund Volker, der in der Gegend um Meißendorf zu Hause ist, am 21.12.2013 meine erste Meißetour. Allerdings nicht, wie vom DKV empfohlen, ab Gut Sunder, sondern am Rand des Truppenübungsgebietes von Hörsten bis Gut Sunder, eine etwa 13 km lange Fahrt über und unter Bäumen und Sträuchern, die wir nach der 1. oder 2. Wiederholung nur „die Dreckstour“ nannten. Nach der letzten Befahrung im Winter vor einigen Jahren, als wir an der Pausenstelle bei Hartmannshausen bei Temperaturen um 0 °C, in vom ständigen Ein- und Aussteigen durchnässten und schlammigen Klamotten und durch scharfen Wind sehr gefroren haben, dann die rund 400 m Zwangsumtragestelle hinter uns gebracht hatten, haben einige von uns geschworen, diese Tour nie wieder zu machen.  

Nun ist die Auswahl an Tagestouren bekanntlich begrenzt und auch „schreckliche“ Erinnerungen verblassen mit der Zeit, so dass es eine Frage von nur wenigen Jahren war, bis diese Tour wieder ins Programm aufgenommen wurde. Dass nicht allzu viele Interessenten mit von der Partie sein würden, liegt an der Natur. Nein, nicht an der Natur der Dinge, wie ich erst vorhatte zu schreiben, was ja oft nur als Floskel so dahingeschrieben wird, sondern einfach an der Natur, in die auf diesem Stück Bach von Menschenhand so gut wie nicht eingegriffen wird, in der keine Verleihboote verkehren und anscheinend außer uns auch sonst niemand paddelt, wie wir diesmal wieder feststellen konnten. Das Ergebnis ist eine Landschaft, die man vielleicht als ziemlich ursprünglich bezeichnen kann.  

Erstaunlich! Der frühe Morgen des 14. März 2020 brachte Scheibenkratzen mit sich, nach dem mildesten Winter seit Beginn der Wetteraufzeichnung vor 2000 Jahren oder so. Warum friert es heute? Wird es wieder so ungemütlich wie beim letzten Mal? Der helle Sonnenschein versprach anderes und hielt sein Versprechen. Der Tag war wunderbar mit Sonne und sehr erträglichen Temperaturen von ca. 8 °C. Der Pegel bei , den man nicht online findet, zeigte 120 cm.  

Alles andere kam wie erwartet: Wirklich viele Bäume und Sträucher, durch die wir uns kämpfen mussten. Kaum einmal 200 m, die ungehindert gepaddelt werden konnten. Häufiger Einsatz der Klappsägen. Dennoch konnten viele Baumstämme unterfahren werden, wenn auch häufig halb im Wasser liegend, oder mit Schwung überfahren mit oft großer Unterstützung durch Falk und Leo, die kräftig von der anderen Seite zogen. Falk hat beim Unterfahren mit seinem neuen Ripper eine tolle Technik entwickelt, indem er zuerst den Bug unter den Stamm zwängt, sich dann nach hinten lehnt, wodurch das Heck tief abtaucht und so Unterfahrungen möglich macht, auf die niemand auch nur einen Groschen gewettet hätte. Das ist die erste unglaubliche Technikerneuerung in der Wanderpaddeltechnik. 😊 

Die zweite, noch unglaublicher erscheinende besteht darin, dass Falk über bis zu 30 cm aus dem Wasser ragende Stämme, über die man keinesfalls rüberschüsseln kann, in einer ähnlichen Bewegung wie bei der backtake roll sein Boot über den Baum gehoben hat, indem er sich auf den Stamm gestützt und sein Boot mit dem Körper rüber gewuchtet hat. Natürlich ohne auszusteigen! Leo, ein Freund von Falk, auch sehr geschickt und mit der nötigen Körperspannung ausgestattet, machte es ihm einige Male nach und hatte dabei keine Angst vorm Abtauchen. Ich taufe diese Art der Hindernisüberwindung hiermit die back-log-roll. Die dritte Technik war vom Kern her eher konventionell, wenn auch bei einer Kleinflussfahrt noch nie gesehen: Bei einem für die back-log-roll zu hohen Baumstamm haben sich die Jungs mit einem Flaschenzug selbst über den Stamm gezogen. (siehe Film) So gelang Falk eine Kleinflussbefahrung auf der Meiße ohne Umtragen von Hindernissen! Wir Normalsterblichen haben den ein oder anderen Stamm auf die herkömmliche Weise umschifft: Aussteigen, umtragen, einsteigen. Oder wie mir geschehen: Vorm Baum parken, draufklettern, Boot drauf wuchten, einsteigen und los…das war die Idee. Allein, das Boot hatte andere Pläne, vertauschte die Reihenfolge, begann Schritt 5, bevor 4 vollendet…und ich nahm ein unfreiwilliges Bad. Was haben wir gelacht!   

Sehr gefreut hat mich, dass wir die Stelle, die nach Aussagen von Heiko und Volker immer unpassierbar gewesen war, nicht mehr die 400 m um den Hof Hartmannshausen umtragen mussten, sondern nach Überwindung eines Baumes freie Fahrt hatten. 

Gestern hatten wir also einen tollen, anstrengenden und außerordentlich ereignisreichen Tag auf der Meiße. 6 Stunden haben wir für 13 km benötigt. Nach der diesjährigen Fahrt bin ich der Ansicht, dass wir sie in die jährliche Fahrtenplanung einbeziehen sollten, vielleicht nicht mehr im tiefen Winter, sondern in die Zeit vor den Osterferien. Säge nicht vergessen.  

Vielleicht aber stellen wir dann unsere Fahrzeuge nicht im militärischen Sperrgebiet ab. Falks Auto jedenfalls hätten wir nicht 50 m von der Meißebrücke bei Hörsten entfernt parken sollen. Beim Abstellen haben wir noch gewitzelt, dass notfalls alle 6 MitpaddlerInnen in mein Auto passen würden und die Boote auf dem Dach dazu, falls seine Kiste (liebe Doro, ich nenn sie einfach mal seine) bei der Rückholung flach wie eine Flunder wäre. Ganz so schlimm waren die Panzer dann nicht, aber die Militärpozilei (oder irgendeine andere Dienststelle) hat ein Mandat über 180 € hinter die Scheibenwischer gepappt. Allerdings netterweise mit einer Telefonnummer versehen, die Falk sofort angerufen und erfahren hat, dass es diesmal bei einer Verwarnung bleiben solle. Was für ein Glück! 

2 Kommentare

  1. Veröffentlich von Robert am 20. März 2020 um 23:48

    Super Sonne und raffinierte Flaschenzug-Aktionen! Aussteigen wird komplett überschätzt 🙂
    Das sieht alles insgesamt nach Sport aus, gut, das die Strömung manchmal nicht stärker war.

  2. Veröffentlich von ulli am 21. März 2020 um 16:07

    Tolle Bilder. Viele Grüße an alle Ulli

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